Lesia Vasylchenko ist eine Künstlerin, die mit bewegten Bildern, Installation und Medienarchäologie arbeitet. Ihre Praxis untersucht Chronopolitik: wie Zeit durch planetare Sensornetzwerke und Bildgebungsinfrastrukturen kontrolliert, erfahren und geformt wird. Sie erforscht, wie Berechnung und algorithmische Prozesse das soziale Leben zunehmend organisieren – wie Beobachtungstechnologien Dauer strukturieren und bestimmen, was registriert, archiviert oder prognostiziert werden kann. Im Rahmen ihrer künstlerischen Forschung entwickelt sie spekulative Konzepte wie Tachyonic Data, Chronoesthetic Wound und Chronosphere, um zu zeigen, wie Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukünfte sich überlagern können – und wie rechnerische Systeme sie verarbeiten, um die Welt zu ordnen.
In Chronosphere präsentiert Lesia Vasylchenko Zeit als eine planetare „Hülle“, die von sich überlagernden Rhythmen geprägt ist – menschlichen und mehr-als-menschlichen, natürlichen und künstlichen. Signalgeschwindigkeiten, Satellitensensorik und rechnerische Zyklen treffen auf geologische Tiefenzeit, Umweltveränderungen, langsame Gewalt und die Traumata des Krieges. Ihre Installationen übersetzen diese Kollisionen von Maßstäben in visuelle und räumliche Erfahrungen, die die Politik einer hypersynchronisierten Welt sichtbar machen.
Ihre Arbeiten verfolgen Entwicklungen in Satellitenkonstellationen, nahezu in Echtzeit arbeitenden Datenpipelines und Fernerkundungssystemen, die jenseits menschlicher Wahrnehmungsschwellen operieren. Diese Systeme verlagern das Wahrnehmen vom Körper zur Berechnung und öffnen eine Lücke zwischen gelebter Zeit und synthetischer Zeit. In dieser Lücke verschränken sich archivierte und nicht archivierte Geschichten, die Gegenwart und Zukunftsprognosen zu einem erweiterten Jetzt.