CORNELIA KLAUẞ / CHRISTINE SCHLEGEL / CORNELIA SCHLEIME / GABRIELE STÖTZER / FRAUENGRUPPE ERFURT
Die letzte Folge von Kollaborative Assemblagen widmet sich Experimentalfilmen von Frauen* aus der DDR der 1980er Jahre. Trotz der Knappheit von Filmmaterialien und Filmtechnik, trotz Zensur, trotz der Repression des Filmens außerhalb der von der DDR-Regierung genehmigten Kreise und trotz Aufführungsschwierigkeiten wurde in der DDR leidenschaftlich zur Kamera gegriffen. Gefilmt wurde hauptsächlich im Super-8-Format. Die Filmszene war im Untergrund verschiedener Städte aktiv, beispielsweise in Ost-Berlin, Dresden, Karl-Marx-Stadt, Greifswald und Erfurt.
Auch in der DDR waren Frauen* im Experimentalfilm unterrepräsentiert. Obgleich von den Filmenden meist keine Notwendigkeit gesehen wurde, feministische kollaborative Assemblagen zu bilden, gab es mit der Frauengruppe Erfurt eine ausschließlich aus Frauen* bestehende Gruppe, die sich dem Experimentalfilm annahm.
PROGRAMM
Cornelia Schleime, In der Sanduhr, 1982, Super 8 (digitalisiert), 11 Min.
Christine Schlegel, Strukturen, 1984, Super 8 (digitalisiert), 8 Min.
Gabriele Stötzer/Frauengruppe Erfurt, Die Geister berühren, 1987, Super 8 (digitalisiert), 25 Min.
Cornelia Klauß, Samuel, 1984, Super 8 (digitalisiert), 4 Min.
Cornelia Klauß, Halle – schwarz/weiß, 1987, Super 8 (digitalisiert), 7 Min.
GÄSTIN
Cornelia Klauß
Filmprogramm mit englischen Untertiteln
Gespräch in deutscher Sprache
Kollaborative Assemblagen ist eine vierteilige Reihe von Filmabenden mit Experimentalfilmen, die unterschiedlichen Facetten feministischer, kollaborativer Arbeitsweisen in den 1970er und 1980er Jahren nachspürt – Arbeitsweisen, die existenziell für die im Experimentalfilm tätigen Frauen* waren. Die Episoden widmen sich den Experimentalfilmszenen in den Städten Wien, Hamburg und Berlin.
Kollaborative Assemblagen richtet den Fokus auf Gefüge von Praktiken, die es Frauen* ermöglichten, selbstbewusster, versierter und – was besonders wichtig ist – in immer größerer Anzahl in den Experimentalfilmszenen der 1980er Jahre aufzutreten. Es geht um verschiedene Initiativen, Zusammenschlüsse, offizielle wie inoffizielle Gruppen. Der Austausch von Wissen über Technik, filmische Methoden und ästhetische Formen sowie der Zugang zur Technik waren essenzielle Anliegen. Es ging aber auch darum, sich gegenseitig zu motivieren und beim Filmen zu helfen. Die Initiativen boten zudem eine Bühne für (queer)feministischen Aktivismus und selbstbestimmte Kulturproduktion.
Diese oft freundschaftlich geprägten kollaborativen Assemblagen nahmen keine einheitliche Form an und bewegten sich zwischen spontanen Zusammenschlüssen und stärker organisierten Strukturen. Beispielsweise traten sie als selbst gemachte Bedienungsanleitungen für die Benutzung einer bestimmten Kamera, als gemeinschaftliche Nutzung von Equipment, als unterstützendes Gespräch, als gemeinsames Filmprojekt oder als Filmwerkstatt in Erscheinung. In ihren vielfältigen Formen hatten sie die Wirkung, den Experimentalfilmbereich zu dekonstruieren und neue Aktivitätsräume für Frauen* zu erschließen. Die einzelnen Assemblagen hatten unterschiedliche Lebensdauern und nur wenige haben ihre eigenen Aktivitäten dokumentiert. Meist sind sie nur mündlich durch Zeitzeuginnen überliefert, was auf die Fragilität dieses Wissens hindeutet.
In vier Filmabenden wird eine Auswahl von Experimentalfilmen und -videos präsentiert, die innerhalb solcher kollaborativen Assemblagen entstanden sind. Die Beispiele stammen aus Wien, Hamburg und Berlin. Jeder Abend ist einer Stadt gewidmet und wird von Diskussionen mit den Filmemacherinnen begleitet.
Die Reihe ist eine Kooperation zwischen dem Künstlerhaus Bethanien und attaque[e]r le visible und wird von Lawinia Rate kuratiert. Das Projekt wird gefördert durch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg.