Iden Sungyoung Kim untersucht in ihren Arbeiten die vielschichtigen politischen, sozialen und ethischen Dimensionen nuklearer Technologie und Aufrüstung. Seit 2017 entwickelt die Künstlerin Projekte an der Schnittstelle von Feldforschung, Archivarbeit und künstlerischer Intervention: archivbasierte und analoge Fotografie, Video- und Rauminstallation, Lecture-Performance und experimentelle Dokumentation.
Ihre künstlerische Sprache verbindet dokumentarische Präzision mit poetischen Transformationen: Landschaften werden zu Symbolen geopolitischer Konflikte, archiviertes Material zu visuellen Essays, die Erinnerung, Trauma und politische Machtverhältnisse miteinander verweben. Dabei steht weniger die technische Faktizität als vielmehr die ästhetische Übersetzung komplexer Strukturen in Bilder, Installationen und Atmosphären im Vordergrund.
Für die Künstlerin besonders prägend ist der generationelle Kontrast: Während sie und ihre Zeitgenoss*innen die Bombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor allem als Sinnbild für zerstörerische Gewalt und die bis heute wirksame atomare Bedrohung begreifen, erinnerte die Generation ihrer Großmutter sie nicht nur als eine Katastrophe, aus der Erfahrung der japanischen Besatzung heraus, sondern auch als eine Form von außenpolitisch gezwungener Befreiung. Diese Verschränkung von persönlicher Erinnerung und globaler Politik verleiht Iden Sungyoung Kims Arbeit ein besonderes Spannungsfeld, das private und kollektive Geschichtsschreibung untrennbar miteinander verbindet.
Iden Sungyoung Kims künstlerische Forschung setzt an der Schnittstelle von Geschichte, Politik und technologischer Macht an. Sie zeigt, wie Diskurse um Atomforschung seit dem Manhattan-Projekt bis zu Fukushima nicht nur die physische Welt verändert haben, sondern auch symbolische und ideologische Landschaften geprägt haben. Darüber hinaus adressiert die Künstlerin die gegenwärtigen geopolitischen Spannungen Europas und Asiens im Kontext nuklearer Aufrüstung – verschärft durch die russische Invasion in der Ukraine und die Dynamik eines neuen Kalten Krieges sowie die fortdauernde Debatte in Deutschland über Atomkraft, die Rolle der Bundeswehr in internationalen Nuklearstrategien und die gesellschaftliche Verantwortung im Umgang mit Kernenergie. Die Diskussion über Atomwaffen in den baltischen Staaten, Finnland, der Ukraine und Nordkorea zeigen, wie instabil die internationale Politik ist und wie tief verwurzelt die Kontinuitäten der Ideologie des Kalten Krieges sind.