Kah Bee Chow arbeitet hauptsächlich mit Installation und Skulptur und entwickelt eine Praxis, die auf einer aufmerksamen Auseinandersetzung mit den Besonderheiten von Raum und Ort basiert. Ihr Arbeitsprozess beginnt mit einer sorgfältigen Beobachtung der Energie, des Tempos und der Atmosphäre eines Ortes sowie seiner architektonischen Proportionen, materiellen Bedingungen und räumlichen Qualitäten. Aus dieser vertieften Beschäftigung heraus kann Kah Bee Chows Arbeit verborgene Schichten historischer Resonanz freilegen oder einem Ort eine spekulative Logik zuschreiben – indem imaginierte Parameter gesetzt werden, die weniger als feste Grenzen denn als Ausgangspunkte für Abweichung und Erkundung dienen.
Architektur erscheint in Kah Bee Chows Arbeiten häufig als eine Form von Schutz: als Struktur der Zuflucht, der Geborgenheit und des Rückzugs. Gleichzeitig wird sie als Instrument der Kontrolle verstanden, das sowohl den Körper als auch die Psyche formt und reguliert. Diese Ambivalenz ist zentral für ihre künstlerische Praxis. Die Arbeiten werden von unterschiedlichen Strömungen getragen – materiellen, systemischen, rhythmischen und asymmetrischen –, die sich miteinander verweben und gegenseitig unter Spannung setzen. Innerhalb dieser Verschränkungen bleibt das Spannungsverhältnis zwischen Fürsorge und Kontrolle beständig und ungelöst.
Kah Bee Chows Herangehensweise an den künstlerischen Prozess ist bewusst vielschichtig und nicht-linear. Sie bewegt sich zwischen dem Kalkulierten und dem Intuitiven, dem Mathematischen und dem Körperlichen, dem Präzisen und dem Improvisierten. Scheitern, Dissonanz und Instabilität werden nicht als Fehler verstanden, sondern als produktive Kräfte. Durch Gesten der Fragmentierung, des Abgrunds und der Leere – ebenso wie durch Momente von Poesie, Spiel und Beharren – untersucht ihre Praxis, wie Bedeutung aus Verletzlichkeit, Widerstand und anhaltender Aufmerksamkeit entsteht.