Manami Uetake untersucht in ihrer künstlerischen Praxis die Möglichkeiten und Grenzen, sich den Erinnerungen und gelebten Erfahrungen anderer Menschen durch Fotografie, Video und Text anzunähern. Zentral für ihren Ansatz ist die Idee der Berührung – sowohl als physische Geste als auch als metaphorischer Versuch, Erfahrungen und Subjektivitäten näherzukommen, die sich niemals vollständig erfassen oder übersetzen lassen. Ihre Arbeiten setzen sich damit auseinander, wie Intimität, Distanz und Imagination die Art und Weise prägen, in der Leben erinnert und erzählt werden.
Manami Uetake versteht ihre Praxis als ein Übereinanderschichten von Fragmenten, Bildern und Erinnerungen. Ihre Arbeiten begreifen gelebte Erfahrung nicht als etwas, das sich vollständig rekonstruieren lässt, sondern nähern sich ihr über fragile Spuren an, in denen Intimität, Distanz und Erinnerung sichtbar werden. Im Zentrum ihrer Praxis stehen dabei Leerstellen, materielle Überreste und Formen des Archivierens, durch die persönliche Geschichten und Erinnerungen weitergetragen werden.
Diese Fragestellungen verdichten sich in ihrem aktuellen Künstler*innenbuch The end’s approach comes over my mind as clouds cover the light (2024). Entstanden nach dem Tod ihres Vaters — einer Person, mit der sie zwar eine physische Ähnlichkeit, zugleich jedoch emotionale Distanz verband — reflektiert die Publikation die fragmentarische Beschaffenheit persönlicher Erinnerung und familiären Wissens. Ausgehend von Haikus, häuslichen Räumen, staubbedeckten Objekten und Familienarchiven nähert sich die Künstlerin Identität als etwas, das sich fortlaufend durch Bilder, materielle Spuren und Akte des Erinnerns neu zusammensetzt. Indem sie die erste und die letzte Fotografie ihrer gemeinsamen Lebenszeit miteinander verbindet, versteht die Arbeit Fotografie nicht allein als Medium der Bewahrung, sondern als einen Raum, in dem Abwesenheit, Nähe und die Grenzen des Verstehens sichtbar werden.