Itamar Stamlers künstlerische Praxis bewegt sich zwischen CGI, Virtual Reality, Video, kinetischer Skulptur sowie Arbeiten mit Metall, Keramik, Glas, Airbrush und gefundenen Materialien. Die unterschiedlichen Medien dienen dabei weniger als eigenständige Ausdrucksformen denn als Elemente räumlicher und narrativer Versuchsanordnungen, in denen sich Fragen von Körper, Begehren, Kontrolle und Sichtbarkeit überlagern.
Viele seiner Arbeiten funktionieren als geschlossene Systeme, in denen Besucher*innen zugleich Beobachtende und Akteur*innen werden. Inspiriert vom Konzept der „Nicht-Orte“ nach Marc Augé entstehen immersive Umgebungen, die künstliche Intimität, Entfremdung und kollektive Erinnerung erfahrbar machen. Wiederkehrend nutzt Itamar Stamler umfunktionierte körperbezogene Geräte, um skulpturale Anordnungen aus repetitiven Bewegungen, persönlichen Narrativen und Elementen des „Body Horror“ zu schaffen.
Auch Überwachung und Voyeurismus erscheinen in Stamlers Arbeiten weniger als Themen denn als strukturelle Bedingungen von Wahrnehmung und sozialer Interaktion. Serien wie Cry Baby und Masters verhandeln die Ambivalenz von Privatheit und Öffentlichkeit ebenso wie die Ökonomien von Aufmerksamkeit, Begehren und Ausbeutung innerhalb neoliberaler und queerer Lebensrealitäten. Für die fortlaufende Serie Look at Me (seit 2023) lädt Stamler Männer aus der Dating-App Grindr zu mehrstündigen Malsitzungen ein. Die bewusst fehlerhaften Airbrush-Porträts entziehen sich der Logik makelloser Selbstdarstellung und legen die Fragilität jener Bildregime offen, in denen zeitgenössische Vorstellungen von Männlichkeit, Identität und Attraktivität produziert werden.