Esther Yi-Chun Lin beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Praxis mit der Frage, wie sich Erinnerungen, persönliche Erfahrungen und historische Prozesse in Körpern, Dingen und alltäglichen Handlungen einschreiben. In Performances, Installationen, Bewegtbildarbeiten und Texten widmet sie sich flüchtigen Spuren menschlicher Präsenz – Momenten, Materialien und Erfahrungen, die sich einer eindeutigen Festschreibung entziehen.
Viele ihrer Arbeiten nehmen ihren Ausgangspunkt in scheinbar alltäglichen Situationen, persönlichen Gegenständen oder körperlichen Erfahrungen. Durch Sammeln, Reenactment, Gehen und Beobachten entwickelt Esther Yi-Chun Lin poetische Annäherungen an Lebensgeschichten und ihre Spuren. Ihre Performances entstehen häufig aus einfachen, über längere Zeit ausgeführten Handlungen, die Fragen danach aufwerfen, wie wir andere wahrnehmen, Erinnerungen bilden und Geschichten erzählen.
Ein zentrales Motiv in Esther Yi-Chun Lins Praxis ist der Körper als Träger und Speicher von Erinnerung und Erfahrung. Mit Geruch, Berührung, Bewegung und anderen flüchtigen Wahrnehmungen untersucht sie jene Aspekte von Individualität und Geschichte, die sich nicht vollständig bewahren oder dokumentieren lassen. Diese körperbezogenen Zugänge verbinden persönliche Erfahrungen mit größeren historischen Zusammenhängen, insbesondere mit den vielschichtigen historischen und kolonialen Verflechtungen Taiwans. Esther Yi-Chun Lin fragt danach, wie Erinnerungen weitergegeben, verändert und über Körper, Materialien und Handlungen vermittelt werden – und wie fragmentarische Geschichten durch künstlerische Prozesse neu betrachtet werden können.